Berlin, Deutschland – Deutschland steht vor einer deutlichen Veränderung seiner Krypto-Steuerlandschaft. Finanzminister Lars Klingbeil hat Pläne angekündigt, die langjährige Steuerfreiheit für Kryptowährungen, die länger als ein Jahr gehalten werden, abzuschaffen. Dieser Schritt, der Teil des Bundeshaushalts 2027 ist, zielt darauf ab, die steuerliche Behandlung von Kryptowährungen stärker an die von traditionellen Aktien anzugleichen, was weitreichende Folgen für langfristige Krypto-Investoren im ganzen Land haben könnte.
Das Ende der “privaten Veräußerungsgeschäfte”?
Nach dem aktuellen deutschen Steuerrecht, geregelt in § 23 des Einkommensteuergesetzes (EStG), gelten Kryptowährungen als “private Vermögenswerte”. Diese Einstufung ermöglichte es Anlegern bisher, Bitcoin und andere digitale Token steuerfrei zu verkaufen, sofern sie diese länger als 12 Monate hielten. Diese Regelung machte Deutschland zu einem der attraktivsten Standorte für Krypto-Investoren in Europa und förderte eine starke “HODL”-Kultur.
Der neue Vorschlag, der von Lars Klingbeil, dem Parteivorsitzenden der SPD, vorangetrieben wird, sieht nun vor, diese einjährige Spekulationsfrist abzuschaffen. Sollte das Gesetz verabschiedet werden, unterlägen Gewinne aus Krypto-Verkäufen künftig der Abgeltungsteuer in Höhe von 25 Prozent – zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer – unabhängig davon, wie lange die Vermögenswerte gehalten wurden.
Eine umstrittene Haushaltsmaßnahme
Dies ist nicht der erste Versuch, die Krypto-Besteuerung in Deutschland zu reformieren. Bereits während der Koalitionsverhandlungen im Jahr 2025 hatte die SPD einen ähnlichen Vorstoß unternommen, der jedoch letztendlich fallen gelassen wurde. Klingbeil hat die Initiative nun im Rahmen eines umfassenden Haushaltspakets für 2027 wieder aufleben lassen, das darauf abzielt, ein prognostiziertes Haushaltsdefizit von 98 Milliarden Euro zu schließen. Der Haushalt umfasst auch Ausgabenkürzungen und neue Abgaben auf verschiedene Güter.
Die geplanten Änderungen stoßen in der Krypto-Branche auf starken Widerstand. Der Bitcoin Bundesverband, die wichtigste Interessenvertretung der Branche in Deutschland, kritisierte die Reform als “politischen Taschenspielertrick” und als getarnte Steuererhöhung, die früheren Koalitionsversprechen widerspreche. Auch Verfassungsrechtler äußerten Bedenken: Sie wiesen darauf hin, dass es unter dem Aspekt des Gleichbehandlungsgrundsatzes rechtlich anfechtbar sein könnte, wenn für Kryptowährungen strengere Regeln eingeführt würden, während andere vergleichbare private Vermögenswerte weiterhin steuerlich bevorzugt behandelt werden.
Eine extrem dumme Entscheidung der deutschen Regierung. Österreich hat 2022 eine ähnliche Abschaffung versucht, und es hat nur zu mehr Bürokratie geführt, ohne nennenswerte Einnahmen zu erzielen. Wir brauchen sinnvolle Regulierung, keine Rückschritte. 🇩🇪📉
10:45 AM · 6. Mai 2026Eric Demuth, Mitbegründer von Bitpanda, bezeichnete den Plan als “extrem dumme Entscheidung” und zog Parallelen zur Abschaffung einer ähnlichen Steuerbefreiung in Österreich im Jahr 2022. Er argumentierte, dass dies dort lediglich zu mehr Bürokratie geführt habe, ohne signifikante Steuermehreinnahmen zu generieren.
Wie geht es weiter?
Obwohl noch kein formeller Gesetzentwurf in den Bundestag eingebracht wurde, macht die Einbettung dieses Plans in das Haushaltspaket 2027 ihn zu einer deutlich größeren Herausforderung als bisherige Versuche. Auch die Frage, ob es eine Bestandsschutzregelung für bestehende Krypto-Bestände geben wird, bleibt vorerst unbeantwortet. Investoren und Branchenführer bereiten sich nun auf einen möglicherweise langwierigen legislativen Kampf um die Zukunft digitaler Vermögenswerte in Europas größter Volkswirtschaft vor.